ISO 9001:2026 - Interne Audits mit stärkerem Fokus auf Wirksamkeit

Wissensreihe zur Revision der ISO 9001 – Teil 3

Interne Audits sind ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Qualitätsmanagementsystems. Sie dienen dazu, regelmäßig zu überprüfen, ob Prozesse normkonform umgesetzt werden, interne Vorgaben eingehalten werden und das System insgesamt wirksam arbeitet.

Interne Audits als fester Bestandteil des Qualitätsmanagements

Die Anforderungen sind dabei in der ISO 9001 klar definiert: Organisationen müssen interne Audits in geplanten Abständen durchführen und ein Auditprogramm aufbauen, das Kriterien, Umfang, Methoden und Verantwortlichkeiten festlegt. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse dokumentiert, den zuständigen Führungskräften berichtet und daraus abgeleitete Maßnahmen nachverfolgt werden.

Konkret gehören dazu unter anderem folgende Aspekte, die sich aus den Normanforderungen an interne Audits ergeben:

  • die Festlegung von Auditkriterien
  • die Auswahl objektiver Auditor:innen
  • die Durchführung von Audits auf Basis eines strukturierten Programms
  • die Auswertung der Ergebnisse sowie die Ableitung und Nachverfolgung von Maßnahmen

Ein wesentliches Merkmal der aktuellen Norm ist bereits, dass Audits nicht isoliert betrachtet werden. Sie stehen immer im direkten Zusammenhang mit der Frage, ob das Managementsystem die gewünschten Ergebnisse liefert und zur Optimierung der Unternehmensleistung beiträgt.

ISO 9001:2026: Steigende Anforderungen an die Wirksamkeit

Mit der Revision der ISO 9001 im Jahr 2026 bleiben diese grundlegenden Anforderungen bestehen. Gleichzeitig verschiebt sich jedoch insgesamt der Fokus stärker in Richtung Wirksamkeit des Managementsystems. So steht weniger die rein formale Durchführung von Audits im Vordergrund, vielmehr deren Beitrag zur Verbesserung und Steuerung.

Damit wird eine Entwicklung fortgeführt, die bereits in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat: QM soll nicht nur dokumentiert, sondern im Alltag tatsächlich gelebt werden. Die Audits übernehmen in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle, da sie die Umsetzung bewerten und Transparenz schaffen.

Icon für standardisierte Auditvorbereitung

Auditprogramme gezielt steuern statt gleichmäßig planen

Ein zentraler Ansatzpunkt für diese Weiterentwicklung liegt im Auditprogramm. Bereits heute fordert die ISO 9001, dass die Planung von Audits inhaltlich begründet erfolgt. Dabei sollen insbesondere die Bedeutung von Prozessen, Veränderungen innerhalb der Organisation sowie Ergebnisse vorheriger Audits berücksichtigt werden.
In der Praxis führt das jedoch häufig zu festgelegten Auditzyklen, in denen alle Bereiche in ähnlichen Abständen geprüft werden. Dieses Vorgehen erfüllt zwar die formalen Anforderungen, nutzt das Potenzial interner Audits jedoch nur eingeschränkt aus.

Mit Blick auf die ISO 9001:2026 wird deutlich, dass Auditprogramme stärker als Steuerungsinstrument verstanden werden sollen. Das bedeutet, dass Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Beitrag zur Qualität und zur Weiterentwicklung des Systems leisten.

Risikobasierter Ansatz als entscheidendes Kriterium

Eng damit verbunden ist die zunehmende Bedeutung des risikobasierten Ansatzes. Die ISO 9001 fordert bereits seit 2015, Risiken und Chancen systematisch zu berücksichtigen. Mit der Revision wird dieser Ansatz jedoch weiter geschärft, insbesondere im Hinblick auf eine differenziertere und aktivere Nutzung von Chancen, die sich auch auf die Bewertung im Rahmen interner Audits auswirkt.

Ein risikobasiertes Auditprogramm richtet sich nicht nach festen Zeitabständen, sondern nach der tatsächlichen Relevanz von Themen. In der Praxis bedeutet das, dass vor allem folgende Aspekte stärker berücksichtigt werden:

  • Prozesse mit hohem Einfluss auf Qualität und Kundenzufriedenheit
  • organisatorische Veränderungen sowie neue Abläufe oder Verantwortlichkeiten
  • bekannte Schwachstellen und wiederkehrende Abweichungen
  • externe Anforderungen und neue Einflussfaktoren

Dadurch entsteht ein dynamischeres Auditprogramm, das sich kontinuierlich an die tatsächlichen Gegebenheiten anpasst und das Managementsystem gezielter unterstützt.

Erweiterter Fokus durch neue Anforderungen der Revision

Neben der stärkeren Betonung der Wirksamkeit verändert sich auch der inhaltliche Fokus interner Audits. Die ISO 9001:2026 greift zentrale Themen auf, die wir bereits in den vorherigen Teilen dieser Reihe betrachtet haben.
Dazu zählen die stärkere Verankerung von Führung und Qualitätskultur im Unternehmen sowie die intensivere Betrachtung strategischer und externer Einflussfaktoren, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Klimawandel oder gestiegenen Anforderungen von Kunden, Partnern und weiteren Anspruchsgruppen.

Für die Audits bedeutet das, dass sie sich nicht ausschließlich auf die Einhaltung von Prozessen und Dokumentationen konzentrieren. Stattdessen kommt es mehr darauf an, wie diese Themen in der Praxis umgesetzt werden und welchen Einfluss sie auf das Managementsystem haben.

Icon für Auditmanagement mit der Software BITqms

Die Rolle interner Audits im Managementsystem

Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Zusammenhänge zwischen internen Audits und anderen Elementen des QMS.
Auditergebnisse fließen in zentrale Prozesse im Unternehmen ein. Dazu gehören unter anderem:

  • die Bewertung von Risiken und Chancen
  • die Ableitung und Priorisierung von Maßnahmen
  • die Managementbewertung sowie strategische Entscheidungen

Interne Audits haben dabei eine verbindende Rolle im Managementsystem. Sie sorgen dafür, dass Erkenntnisse aus dem Arbeitsalltag aufgegriffen und in übergeordnete Entscheidungen einbezogen werden.
Mit der Revision steigt die Erwartung, dass diese Zusammenhänge konsequent genutzt werden. Interne Audits werden damit zunehmend als Impulsgeber für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems verstanden.

Fazit: Bestehende Strukturen, aber klarer Fokus auf Wirkung

Die Revision der ISO 9001 im Jahr 2026 führt bei internen Audits nicht zu grundlegenden strukturellen Änderungen. Die bekannten Anforderungen bleiben bestehen und bilden weiterhin die Grundlage für Auditprogramme und -durchführung.

Die entscheidende Veränderung liegt in der Erwartungshaltung. Aus den Anpassungen der Norm ergibt sich eine klarere Einordnung interner Audits im Gesamtkontext des Managementsystems. Damit wird deutlich: Interne Audits bleiben ein zentrales Element der ISO 9001 – entscheidend ist, wie ihr Beitrag im Unternehmen verstanden und genutzt wird.


Basierend auf Veröffentlichungen von

  • DGQ – Deutsche Gesellschaft für Qualität (dgq.de)
  • TÜV SÜD (tuvsud.com)
  • TÜV Akademie (die-tuev-akademie.de)
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